Narrenblatt

Das Tannheimer Narrenblättle erscheint seit 1959
 

Eine Bereicherung erfuhr die örtliche Fasnet als 1959 in einer Elferratssitzung das „Tannemer Narreblättle" ins Leben gerufen wurde. Das Niederschreiben von Missgeschicken aus dem Alltagsleben kann in Tannheim auf eine langjährige Tradition zurückblicken. Dies belegen zwischenzeitlich aufgefundene Narrenzeitungen aus dem Jahre 1924 und 1928. Dem interessierten Leser fällt hier die heute nicht mehr denkbare „Schärfe" einiger Geschichten auf. Dieser Vorgänger des heutigen „Tannemer Narrenblättle" beweist, dass auch schon früher die Bürger hierdurch die Gelegenheit nutzten, um sich gegenseitig auf die Schippe zu nehmen. Das Alltagsgeschehen wird in Versen und zum Teil auch in Mundartdichtung aufs Korn genommen. Mit treffenden und originellen Zeichnungen und Karikaturen erhält das Narrenblatt seine besondere Lebendigkeit und närrische Würze. Das „Tannemer Narrenblättle" wird vollständig in Eigenleistung vom Zunftrat und einigen Helfern erstellt und kommt bis heute ohne zusätzliche Einnahme durch Werbeanzeigen oder anderweitige Zuschüsse aus. In wochenlanger Vorarbeit wird geschrieben, gedichtet, gezeichnet und vervielfältigt. Der Redaktionsschluss ist erst wenige Stunden vor dem Verkauf, damit auch die allerneuesten Nachrichten noch veröffentlicht werden können Nach Fertigstellung der neuen Ausgabe wird dann das Narrenblatt durch den Zunftrat verteilt. Man kann sich wohl leicht vorstellen, dass hierbei nicht in erster Linie Verkaufstalent sondern Standfestigkeit gefordert ist.

Das Narrenblättle
narrenblattteam
Narrenblattredakteure Anita Neininger und Oliver Neugart.

Seit der Gründung der Osemalizunft im Jahr 1950 läuft die Ortsfastnacht genauso in geordneten Bahnen ab wie die Narrenblättle-Herstellung. Was sich jedoch in den vergangenen 50 Jahren stark verändert hat, ist der Produktionsablauf: In den Anfangsjahren kam der Matrizendruck mit Walzen zu Anwendung. Die einzelnen Seiten mussten zusammengeheftet werden, was vorwiegend von den Zunfträten erledigt wurde. Bebildert war das Blatt damals noch nicht, aber es gab einige talentierte Zeichner, die manche Geschichte mit einer Karikatur würzten. Immer am "Schmotzige Dunschtig" zog der Elferrat von Haus zu Haus, um das Narrenblättle zu verkaufen. Manche der Herren sollen es dabei nicht geschafft haben, an allen ihnen zugeteilten Häusern zu klingeln, weil sie von den Leuten zu Getränken eingeladen wurde, erzählt man sich.
Mit dem 1975 erfolgten Bau der Festhalle, wo seither alle närrischen Veranstaltungen stattfinden, änderte sich auch der Tag, an dem das Narrenblatt zum Verkauf angeboten wird. Seither ziehen die Elferräte immer samstags durch den Ort. Seit 1997 wird das Blatt von Angehörigen der Zunft am Computer fabriziert, der natürlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Der Druck wurde an eine Druckerei übergeben. Oliver Neugart und Anita Neininger bilden seit einigen Jahren die Narrenblattredaktion. Über Arbeitsmangel in den Wochen vor dem Erscheinungsdatum können sich beide nicht beklagen. Anita Neininger hat oftmals noch zahlreiche, von den Bürgern kurzfristig eingereichte Texte zu schreiben, die ins Blatt sollten. Oliver Neugart muss dann das Ganze am PC bearbeiten. Obwohl die zwei das ganze Jahr über nicht ohne und Stift und Blatt aus dem Haus gehen, weil sich ja eine lustige Geschichte zum Aufschreiben ereignen könnte, stellt sich zum Redaktionsschluss hin dennoch immer die gewohnte Hektik ein, "was wohl dazugehören muss", sagen die beiden.

Narrenruf der Osemalizunft
Ose - Mali